![]() |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
![]() |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
Die “Dynamische Interpretation” der Himmelsscheibe von Nebra Burkard Steinrücken - Forschungsprojekt Vorzeitliche Astronomie |
![]() |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Einleitung |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Die sensationelle Bronzescheibe mit Himmelsdarstellung von Nebra, die Raubgräber im Sommer 1999 zufällig aus dem Boden des Mittelbergs im Ziegelrodaer Forst bei Nebra in Sachsen-Anhalt (51°17´ Nord, 11°32´ Ost, Abb. 1) wühlten, ist ein einzigartiges Zeugnis von wissenschafts- und religionsgeschichtlicher Bedeutung aus der Bronzezeit. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Abb. 1: Die Himmelsscheibe von Nebra Bildnachweis: Landesamt für Archäologie, Sachsen-Anhalt. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Die mathematische Analyse der Form und Lage der Bildsymbole auf der Himmelsscheibe lässt auf eine erstaunliche Vielfalt von Symmetrien und geometrischen Prinzipien bei ihrer Gestaltung schließen. Durch Anpassung von Kreisen und Ellipsen nach der Methode der kleinsten Abstandsquadrate an den Scheibenrand, die Segmente und die runden Bildsymbole erhält man ein Geflecht sich berührender und durchdringender Kreise und Ellipsen (Abb. 2). Die mathematische Struktur dieses Ringsystems legt nahe, die Scheibe als Sinnbild für einen Mechanismus aus rollenden Kreisen zu interpretieren, der die räumlichen und zeitlichen Aspekte des Sonnenjahres und die Sichtbarkeit der Plejaden in den verschiedenen Jahreszeiten auf der geographischen Breite der Fundgegend in einer faszinierenden geometrischen Formensprache korrekt darstellt. |
![]() |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Abb. 2: Ergebnisse der Kreis- und Ellipsenanpassung an die Symbole auf der Himmelsscheibe und Bezeichnung der Ellipsen und Kreise in dieser Arbeit |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Zur Interpretation der Bildsymbole Die goldenen Randsegmente, von denen heute eines fehlt, entsprechen dem solaren Pendelbogen der Auf- und Untergangsorte zwischen den Richtungen der Sommer- und Wintersonnenwende auf dem Horizont. Das lässt sich aus ihrer Winkelspanne von 82,7°, die dem beobachtbaren Pendelbogen der Sonne in Sachsen-Anhalt zur Bronzezeit genau entspricht, mit guter Sicherheit erschließen. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Einführung beweglicher Elemente - 1. Stufe Die Anpassung von Kreisen und Ellipsen an die Bildsymbole führt zu Ergebnissen hinsichtlich der Größe und Lage der Symbole, die innerhalb von ca. 1-2 mm Toleranz, was im Bereich der Fertigungsgenauigkeit von ca. 1% der Gesamtgröße der Scheibe liegt, aussagekräftig sind. Der Löcherrand liegt auf einer Ellipse mit dem Halbachsenverhältnis von 256/244. Der teilweise zerstörte Scheibenrand, auf den es hier ankommt, lässt sich durch Zugabe eines kleinen Abstandes zum Löcherrand rekonstruieren, wenn man annimmt, dass die Löcher im gleichen Abstand zum Rand angebracht wurden. Auf einer Ellipse mit im Rahmen der Toleranz gleichem Halbachsenverhältnis liegen auch die Innenränder der Horizontsegmente. Diese innere Ellipse ist gegenüber der äußeren um 90° gedreht. Das rechtwinklige Achsenkreuz beider Ellipsen fällt auch zusammen mit dem rechtwinkligen Achsenkreuz, das man den Sonnenwende-Diagonalen zuordnen kann. Man erhält die Sonnenwende-Diagonalen, wenn man die Enden der Horizontsegmente kreuzweise verbindet. Ihr Schnittpunkt liegt etwas oberhalb der Scheibenmitte, was signifikant und im Rahmen der Dynamischen Interpretation bedeutsam ist. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Das Schiff ist durch einen äußeren und einen inneren Kreis begrenzt. Diese Kreise berühren sich am Gegenscheitelpunkt des Schiffes. Der Schiffsaußenkreis berührt den Scheibenrand und ragt bis zur Mitte der Scheibe. Sein Umfang steht mit dem Umfang der Scheibenrandellipse im Verhältnis von 1:2. Dieser Sachverhalt führt zur Grundidee der Dynamischen Interpretation, das zum Kreis vervollständigte Schiff auf dem Scheibenrand abzurollen. Eine solche mathematische Konstruktion eines Kreises, der am Innenrand eines zweiten Kreises mit doppeltem Radius abrollt (hier allerdings ist es eine Ellipse), wird heutzutage nach dem arabischen Mathematiker al Tusi (13. Jahrhundert n. Chr.) als Tusi-Paar bezeichnet. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Abb. 3: Der Schiffsrotator in der Symmetrieposition auf der kleinen Halbachse der Scheibenrandellipse (Herbstanfang) |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Die Idee des am Scheibenrand abrollenden Schiffes lässt sich ferner durch folgende Symmetrieaspekte und Beobachtungen rechtfertigen: |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
1) Der Schiffsrotator rollt während seines Umlaufs in die vier Symmetriepositionen auf den großen und kleinen Halbachsen der Scheibenrandellipse (Abb. 3). Die rollende Bewegung des Schiffes, die sich als Metapher für den ewigen Kreislauf der Sonne interpretieren lässt, wird erst durch eine Videoanimation auf dem Computer unmittelbar anschaulich. Durch Anklicken des folgenden Bildes startet diese Animation. U. U. ist es erforderlich, den DivX-Encoder zu installieren. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Bemerkung zur Animation 1: |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Animation 1 - Zum Starten Bild anklicken (1,2 MB) |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Einführung beweglicher Elemente - 2. Stufe Der Innenradius des Sichelsymbols weicht von der perfekten Kreisform merklich ab. Dennoch ist es möglich, mit akzeptabler Genauigkeit einen Kreis anzupassen. Dieser Mondinnenkreis hat im Rahmen der Toleranz den gleichen Durchmesser wie der Schiffsaußenkreis. Ein weiterer Kreis, der die Gruppe aus sieben eng stehenden Sternen einfasst (Plejadenkreis), berührt den Mondinnenkreis an der Innenseite. Er hat den dritten Teil des Durchmessers des Mondinnenkreises. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Dies gibt Anlass zur Annahme einer weiteren Bewegungsform auf der Himmelsscheibe. Möglicherweise ist hiermit die Absicht einer zyklischen Rotation des Plejadenkreises im Inneren des Mondinnenkreises angedeutet. Verbindet man noch die beiden gleich großen Kreise fest miteinander, was hier zunächst versuchsweise geschieht und noch zu rechtfertigen ist, und lässt man nun den Plejadenkreis im Gegensinn zur Schiffsrotation epizyklisch im Mondinnenkreis rollen, so wird der Mondinnenkreis vom rollenden Schiff durch die Scheibe hindurch und über ihren Rand hinaus bewegt, aber die epizyklische Bewegung des Plejadenkreises führt die kleine Sterngruppe während des gesamten Schiffsumlaufes zweimal sanft bis zum streifenden Kontakt an den Scheibenrand heran (Abb. 4). In keinem Stadium des Schiffsumlaufs überschreitet der Plejadenkreis bei seiner Himmelsreise den Rand der Himmelsscheibe. Verändert man aber in Modellrechnungen die Ausgangslage des Plejadenkreises im Mondinnenkreis geringfügig in die eine oder andere Richtung um einige Winkelgrade, so erreicht der Plejadenkreis den Rand der Scheibe nicht bzw. überschreitet ihn. Anscheinend ist der Mechanismus bzw. die auf der Scheibe dargestellte Ausgangsstellung derart fein abgestimmt, dass das Phänomen des Randkontaktes der Plejaden nur bei dieser Justage auftritt. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Abb. 4: Kontakt des Plejadenkreises mit der Scheibenrandellipse (Candlemas) und Kontakt des Schiffes mit der Mittelsenkrechten und einer Sonnenwend-Diagonalen. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Die Idee, in der Symbolanordnung auf der Himmelsscheibe einen derart ausgeklügelten Mechanismus zu vermuten, ist einstweilen nur durch die überraschende Besonderheit der sich einstellenden Bewegungsform und der Kontaktphänomene gerechtfertigt. Im Rahmen der astronomischen Interpretation dieser Dynamik findet man aber weitere und tiefgreifende Indizien für die Sinnhaftigkeit des Vorschlages der Plejadenreise durch die Scheibe. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Bemerkung zur Animation 2: |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Animation 2 - Zum Starten Bild anklicken (1,7 MB) |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Astronomische Interpretation Der Mechanismus stellt das Sonnenjahr und seine Teilung in Einheiten gleicher Länge dar. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Abb. 5: Der Schiffsrotator in der Symmetrieposition auf der kleinen Halbachse mit Kontakt am zentralen Rundsymbol bei gleichzeitigem vollständigen Abtauchen des Plejadenkreises in die Mandorla aus Schiffsaußenkreis und Mondinnenkreis (Frühlingsanfang) |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
In viel späterer Zeit dichtet Hesiod in Werke und Tage Verse, die die entsprechenden Sichtbarkeiten der Plejaden im Griechenland des 8. Jahrhunderts v. Chr. übermitteln. Seine Beschreibung der Unsichtbarkeitsspanne der Plejaden stimmt genau mit ihrem im Mechanismus dargestellten Verschwinden im rollenden Schiffsrad überein: "Wenn das Gestirn der Plejaden, der Atlastöchter, heraufsteigt, |
![]() |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Abb. 6: Der Schiffsrotator in der oberen Symmetrieposition auf der kleinen Halbachse der Scheibenrandellipse (Herbstanfang des zweiten Jahres) |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Zu den zwei Frühlingsanfängen der zwei im Mechanismus dargestellten Folgejahre (Schiffsrad rechts oder links) stehen die Plejaden im Schiffs-, Zeit- oder Sonnenrad und sind am Himmel unsichtbar. Zu den Herbstanfängen (Schiffsrad oben oder unten) stehen die Plejaden fast in Opposition zur Sonne. Dies passt gut zu den Verhältnissen in der Bronzezeit. Um 1600 v. Chr. hatten die Plejaden eine ekliptische Länge von ca. 10°. Etwa 10 Tage nach Frühlingsanfang trat die Konjunktion der Plejaden mit der Sonne auf und eine entsprechende Zeitspanne nach Herbstanfang die Opposition. Die Ausgangsstellung des Rades (Abb. 2) entspricht dann einem Datum kurz nach dem Herbstäquinoktium und damit ist das Morgenletzt der Plejaden, d.h. das Datum ihrer letztmaligen Sichtbarkeit in der Morgendämmerung während der Oppositionszeit, gezeigt. Dieses am Dämmerungshimmel sichtbare Ereignis trat im Jahreskreis der Bronzezeit etwa zwei Wochen nach Herbstanfang auf. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Dies ist tatsächlich der Fall. Die genannte Animation mit Darstellung eines kompletten Schiffsumlaufes besteht aus 720 Einzelbildern. Die Zahlen der Einzelbilder der Animation finden sich auch in der rechten unteren Ecke der Abbildungen wieder. In der Zwei-Jahres-Hypothese entspricht ein Jahr folglich 360 Bildern. Nimmt man nun die Bildnummern der Äquinoktien mit dem Schiff in einer der vier Symmetriestellungen und ermittelt die Bildnummern für die zeitliche Mitte zwischen jeweils zwei Äquinoktien, so erhält man die vier Zustände der Sonnenwenden. Die errechneten Sonnenwend-Darstellungen (siehe z.B. Abb. 7, die eine Sommersonnenwende zeigt) zeichnen sich dadurch aus, dass entweder die Mitte des Schiffsinnenkreises (bei den Sonnenwenden in der unteren Bildhälfte) bzw. die Mitte des Schiffsaußenkreises (bei den Sonnenwenden in der oberen Bildhälfte) auf den Sonnenwende-Diagonalen liegen. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Abb. 7: Kontakt des Schiffsmittelpunktes mit einer Sonnenwend-Diagonalen zum Zeitpunkt der Sommersonnenwende. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Dem Künstler ist es damit gelungen, sowohl die räumlichen Aspekte der Sonnenwenden, nämlich den jährlichen Pendelbogen von 82,7° auf dem Horizont von Sachsen-Anhalt, als auch die zeitlichen Aspekte (Teilung des Sonnenjahres zusammen mit den Äquinoktien in vier nahezu gleiche Teile) auf der Scheibe darzustellen. Nur die elliptische Form ermöglicht die simultane Darstellung der räumlichen und temporalen Symmetrie des Sonnenjahres durch das auf der Scheibe rollende Schiff. Auf einem Kreis hätte es nicht funktioniert; zumindest nicht für die geographische Breite der Fundgegend. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Die weitere Teilung des Jahres in acht gleiche Teile führt auf die Festdaten in der zeitlichen Mitte zwischen den Sonnenwenden und Äquinoktien. In der englischsprachigen archäoastronomischen Literatur werden sie gewöhnlich Candlemas, Mayday, Lammas und Martinmas genannt. Im heutigen Kalender liegen diese alten Festtage in den ersten Tagen der Monate Februar, Mai, August und November. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Abb. 8: Kontakt des Mondinnenkreises mit dem größeren zentralen Ring und Kontakt des Schiffaußenkreises mit einer Sonnenwend-Diagonale (Martinmas) |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Die Zentralringe sind demnach so angeordnet, dass diese Kontaktphänomene zu den besonderen Kalenderdaten auftreten. Die Dynamische Interpretation, die sich im wesentlichen auf die geometrischen Erscheinungen sich berührender Kreise stützt, führt damit zu einer Auffassung über die Größe, Lage und Bedeutung der Zentralsymbole, die sich vom elementaren astronomischen Symbolgehalt von Scheibe und Sichel ablöst und auf tiefere mathematische Prinzipien bei der Gestaltung der Himmelsscheibe hindeutet. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Die vier Zustände der Candlemas- und Mayday-Festtage sind durch ein weiteres interessantes Kontaktphänomen besonders herausragend gekennzeichnet. In diesen Zuständen berührt das Schiff mit dem Schiffsbauch die Mittelsenkrechte der Scheibe und mit dem Bug oder Steven eine Sonnenwend-Diagonale (Abb. 4 und Abb. 9). Schiffsbug und -steven ragen gerade so weit auf, dass das Schiff bei diesen Kontakterscheinungen im Tangentialpunkt auf der Sonnenwend-Diagonale endet. Ist das Schiff in der oberen Bildhälfte, so erfolgt die Berührung der Sonnenwend-Diagonalen mit dem Innenrand, ist es in der unteren Bildhälfte, so berührt der Schiffsaußenkreis die Diagonale, womit die kleine Verlagerung des Schnittpunkts der Diagonalen gegen die Scheibenmitte ausgeglichen wird. Mit dieser viermaligen eleganten Einpassung des goldenen Schiffs in die stumpfen Winkelsektoren aus Mittelsenkrechte und Sonnenwende-Diagonalen hat man - neben der oben angeführten Mondwendedeutungsvariante - einen weiteren möglichen Grund für die gewählte Größe, d.h. für die in Gold ausgeführte Winkelspanne des runden Schiffssektors gefunden. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Abb. 9: Austritt des Plejadenkreises aus der Mandorla aus Mondinnen- und Schiffsaußenkreis, Kontakt des Schiffsaußenkreises mit der Mittelsenkrechten und (annähernder) Kontakt des Schiffsinnenkreises mit einer Sonnenwend-Diagonalen (Mayday) |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Mit der Idee des Schiffskontaktes lässt sich nun auch der bislang noch ungedeutet verbliebene elliptische Innenrand der Horizontsegmente ins Schema der Dynamischen Interpretation einfügen. Der Innenkreis des Schiffes berührt die Segmentinnenrandellipse immer just in jenen Momenten des Zyklus, in denen der mitgeschleppte Mondinnenkreis sich anschickt, den Scheibenrand zu überqueren bzw. sich wieder vollständig in die Scheibe einzufügen (Abb. 10). Auch dabei erfolgt der Kontakt mit dem Endpunkt des Schiffes. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Abb. 10: Kontakt des Schiffsinnenkreises mit der Segmentinnenrandellipse und Kontakt des mitgeschleppten Mondinnenkreises mit der Scheibenrandellipse |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
![]() |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Abb. 11: Zwei-Ring-Kontakt des Plejadenkreises an den zwei Zentralringen in der unteren Bildhälfte |
Abb. 12: Zwei-Ring-Kontakt in der oberen Bildhälfte (gleiches Datum im Folgejahr) |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Als weiteres ausgezeichnetes Datum findet man schließlich noch den Zustand des Zwei-Ring-Kontaktes des Plejadenkreises mit den Zentralringen (Abb. 11 & 12). Der Plejadenkreis schmiegt sich dabei an beide Zentralringe an; einmal in der oberen und einmal in der unteren Bildhälfte. Beide Zustände liegen (bis auf 2 Bildzahlen) den halben Umlaufszyklus voneinander getrennt und entsprechen folglich dem gleichen Datum in jedem der zwei dargestellten Jahre. Das überrascht insofern, weil die Zentralringe nicht symmetrisch zur Scheibenmitte liegen. Möglicherweise ist auch hier ein besonderes Ereignis am Sternenhimmel dargestellt. Als Kandidat bietet sich das Verblassen des Orion und des Sirius in der Morgendämmerung im Meridian ca. 20 Tage vor dem Herbstanfang an - ein Ereignis, das auch von Hesiod Jahrhunderte später in Werke und Tage erwähnt wird. Die Umfänge der Kreise und Ellipsen auf der Himmelsscheibe stehen im Rahmen der Toleranz in einem harmonischen Verhältnis zueinander. Man findet für die Proportionen der Umfänge (in willkürlichen Einheiten): 24 (Scheibenrandellipse) : 12 (Schiffsaußenkreis und Mondinnenkreis) : 11 (Schiffsinnenkreis) : 10 (Mondaußenkreis) : 8 (zentrales Rundsymbol) : 4 (Plejadenkreis). Sowohl die Ganzzahligkeit der Kreisproportionen als auch der hier vorgestellte Mechanismus erinnern an die mathematischen Prinzipien, nach denen im platonischen Dialog Timaios, der mehr als tausend Jahre später entstand, die Weltseele und die Gesetzmäßigkeit ihrer ewigen Bewegung beschaffen ist. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Der Text und die Abbildungen sind in dem pdf-Dokument himmelsscheibe.pdf (942 kB) zum Download zugänglich. Das Bild- und Videomaterial auf dieser Seite kann unter der Quellenangabe Westfälische Volkssternwarte und Planetarium Recklinghausen (kurz: Sternwarte Recklinghausen) - Forschungsprojekt Vorzeitliche Astronomie frei verwendet werden. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
März 2004 |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
[Startseite] [Astronomie im alten Europa] [Projektseite] [Himmelsscheibe von Nebra] [Links] [Impressum & Haftungsausschluss] |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Hinweis: Diese Homepage mit allen Downloads sowie die komplette Homepage der Westfälischen Volkssternwarte mit allen dort angebotenen Materialen gibt es auf der AstroCD. Mehr Informationen dazu hier. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Letztes Update: 29.4.2008 - www.archaeoastro.de |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||